Wie man Stammtischparolen begegnen kann – Erfahrungen eines Seminars zum Thema Rechtspopulismus

„Die Ausländer klauen uns alle Jobs – Der sprengt sich doch gleich in die Luft.”

Von Maik Niederstein  – Solche Parolen und rassistische Aussagen hört man im Alltag des Öfteren. Wie man solchen Parolen begegnen kann haben einige Schüler/-Innen der GAG bei einem Wochenendseminar zum Thema Rechtspopulismus erfahren.

In ganzer Welt sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch oder längst an der Macht, von Trump über Orbán, bis hin zur AFD. Der Ursprung eines jeden Wahlerfolges liegt in der wählenden Bevölkerung. Im Internet und an den Stammtischen hört man immer wieder ähnliche Parolen: Die Flüchtlinge nehmen uns die Arbeit weg, unsere Frauen, unsere Identität. Schuld daran sind die Gutmenschen und die Eliten, die nur für die Lobbyisten arbeiten und am liebsten alle Deutschen durch Ausländer ersetzen würden. Die Lösung ist einfach: Die Ausländer müssen weg, die Eliten sowieso, den Deutschen muss es wieder gut gehen. Um solchen Parolen entgegentreten zu können muss man ihre Entstehung verstehen.

Die Grundlage für (rechts-)extremistische bzw. populistische Haltungen sind drei Gefühle: Wut, Enttäuschung und Angst. Zurzeit werden sie vor allem durch die Flüchtlingskrise und Terroranschläge in Europa gefördert.

Konzentrierte Gruppenarbeit

Angst vor Überfremdung, Identitätsverlust und Existenzbedrohung. Enttäuschung über die Eliten, die Politiker, die sich gefühlt um jeden Asylanten kümmern, aber nicht um die Deutschen. Aus Enttäuschung und Angst wird im Austausch mit Gleichgesinnten Wut, es geht darum, jeden zu bestrafen der Schuld ist, daran das es uns so schlecht geht, die da oben, die anderen. Diese Gefühle werden in Parolen zum Ausdruck gebracht, mit denen sich ähnlich Denkende finden lassen, mit denen ganz schnell ganz viel Frust rausgelassen werden kann, ohne sich groß Gedanken machen zu müssen.

Auf einem Wochenendseminar vom 12.-14.05.2017 versuchten sich 17 mehr oder minder politikinteressierte 9.-12.-Klässler daran, solche Parolen argumentativ aus den Angeln zu heben und die irrationalen Gefühle dahinter zu zerstreuen. Gestützt durch die beiden Seminarleiter des Vereins zur Förderung politischen Handelns, die unter anderem die Ursprünge rechtspopulistischer Gedanken erklärten, wurde schnell klar, dass die Aussprüche trotz des Fehlens jeglicher faktischer Grundlage durchaus ernstgenommen werden müssen. Denn diese gefühlten Wahrheiten sind es die von populistischen Politikern aufgegriffen werden, um sich als die angebliche Lösung für angebliche Probleme und als die einzigen, die das Volk verstünden zu inszenieren. In welcher Art von Desastern dies resultieren kann, wurde bei der amerikanischen Ankündigung zum Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen deutlich.

Intensive Debatten wurden geführt

Doch wie kann man solchen Parolen entgegentreten, ohne den Gegenüber in seiner Position weiter zu bekräftigen und ohne das eventuell freundschaftliche Verhältnis zu gefährden? Man darf auf keinen Fall belehrend sein: Es nützt nichts einfach Fakten aufzuzählen. Stattdessen muss auf die Situation der Person eingegangen werden. Fakten müssen auf sie bezogen werden, Verständnis für das Leiden und die Ängste des Anderen muss vorhanden sein. Wichtig ist es ruhig zu bleiben und Provokationen zu übergehen, insbesondere wenn der Gesprächspartner von Punkt zu Punkt springt. Man muss ein „Argument“ nach dem anderen sezieren: Von der eigenen Seite müssen entkräftende Informationen kommen, von der anderen Seite müssen die Quellen und Bezüge erfragt werden. Dadurch und durch das Aufdecken von Widersprüchen kann man den Gegenüber dazu bringen über die Absurdität seiner Aussprüche und Forderungen nachzudenken. Mit dieser Methodik sollte es möglich sein populistischen Parolen im Alltag gegenüberzutreten – und somit vielleicht den Vormarsch der Populisten aufzuhalten.

(Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien zum ersten Mal in der Graf-Fiti Sommerausgabe 2017)