Theater an der GAG: Weltenbrand

Von Frerk Meiners – Ein Theaterstück über den Ersten Weltkrieg, gespielt am GAG. Das war der Fall im Herbst 2018 und sorgte für viel Stoff zum Nachdenken.

Exposition

Am Dienstag, den 25 Oktober, wurde von der Schauspielgruppe Axensprung, eine szenische Collage zum Ersten Weltkrieg aufgeführt. Axensprung besteht aus drei männlichen Schauspielern: Oliver Hermann, Michael Bideller und Markus Voigt. Normalerweise sind diese drei Personen auf der Bühne im Ernst Deutsch Theater Hamburg zu Hause, für uns aber haben sie den Weg nach Oldenburg aufgenommen. Um den vielen Helfern und Helferinnen gerecht zu werden, die die Organisation und das Catering übernommen haben, geht im Namen der Redaktion vor ab ein herzlicher Dank hinaus, besonders an die Lehrkraft Herrn Heins und die beiden Schüler Justin Stöcker und Fenna Möhring.

1.Akt

Das Stück Weltenbrand thematisiert das Umfeld des Ersten Weltkrieges und wird als die ,,Urkatastrophe“ Europas bezeichnet. Dieser Krieg wütete über 4 Jahre lang auf unserem Kontinent und mit dessen Ende über acht Millionen Menschen gestorben sind. Auf allen Seiten der Kriegsparteien erlitten Männer schwerste Verletzungen, mussten mit verstümmelten Körpern und psychischen Traumata weiterleben. Die Schauspieler erzählen dabei die Geschichte des Soldaten Adolf Reisiger, der sich als Kriegsfreiwilliger im Jahre 1914 meldet. In der 80 minütigen Dauer des Stückes, durchlebt der Soldat Reisiger eine strikte Wandlung. Die Kriegseuphorie verfliegt schnell der Ernüchterung, die Ernüchterung der Verzweiflung und letztendlich weicht die Verzweiflung dem Wahnsinn des Krieges und in mündet in der Frage, warum man überhaupt Krieg führt. Durch Texte der expressionistischen Schriftsteller und Kriegsteilnehmer Edlef Köppen und August Stramm, offiziellen Heereskommuniqués und Fragmenten aus zeitgenössischen Tageszeitungen, die während des Stückes eingeblendet werden, wurde die Realitätsgetreue Darstellung verdeutlicht. Musik- und Klangkompositionen sowie Projektionen von Fotos, Feldpostkarten und Bildern des Malers Otto Dix unterstreichten dies ebenfalls.

Von links nach rechts: Michael Bideller, Markus Voigt und Oliver Hermann.

Epilog

Einige Leser und Leserinnen stellen sich nun berechtigt die Frage, warum man dieses grauenhafte Ereignis der Geschichte auf die Bühne bringt. ,,Gab es kein schöneres Thema?“. Andere gehen sogar soweit und sagen: ,,Wir haben doch Frieden und Wohlstand in Europa, warum dann das ganze?“ und genau an diese Fragestellung knüpft das Stück an. Blicken wir in der Geschichte zurück, stellen wir fest, dass es zwei Weltkriege und viele Millionen Opfer brauchte, bis in Europa wirklich Frieden herrschte. Entstanden sind diese Kriege vor allem durch nationalistisches Gedankengut, der Kampf um wichtige damalige Ressourcen wie Kohle und Stahl, aber auch dadurch, dass viele Personen der Ansicht waren sie seien überlegener als andere Menschen und müssten diese tyrannisieren.

Die Europäische Union und unsere demokratischen Werte der einzelnen Mitgliedsländer sind deshalb nicht Gott gegeben, sondern wir mussten uns diese hart erarbeiten und erlernen. Legen wir das Buch Geschichte nun bei Seite und blicken in die Gegenwart, so bemerken wir, dass Europa Skepsis und völkisch nationalistische Gedanken in allen Ländern Europas wieder erstarken. Die potenzielle Gefahr, die sich daraus entwickeln kann, dürfte nun jedem deutlich geworden sein. Ist diese Entwicklung Europas Vorteilhaft? Bringen uns diese Gedanken voran? Jeder Bürger Europas sollte sich dies vor Augen führen und den Mut haben sich seines eigenen Verstandes zu bemächtigen.

(Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der Graf-Fiti Weihnachtsausgabe 2016)