Rezension: Perfect Girl – Nur Du kennst die Wahrheit

Von Johanna Götz – Zoe hat eine Vergangenheit. Eine Geschichte, die sie niemanden erzählen darf. Seit dem es passiert ist, schärft ihr ihre Mutter immer wieder ein, dass besonders ihr Stiefvater niemals erfahren darf, was drei Jahre zuvor passiert ist und bis zu jener Nacht konnte Zoe ihr Geheimnis für sich behalten.

Es war die Nacht, in der die hochbegabte Pianistin eines ihrer wichtigsten Konzerte gab, als auf einmal ein Mann mitten im Gang der Kirche stand und die 18- jährige als Mörderin beschimpft.

Ihr hart aufgebautes Zweite Leben beginnt erneut zusammenzubrechen. Somit verliert sie nicht nur eine Zweite Chance, sondern auch ihre Mutter, die um Mitternacht tot aufgefunden wird.

Nachdem dieses Buch einen Platz in meinem Bücherregal gefunden hat, habe ich es erst einmal nicht mehr angesehen. „Perfect Girl“. Allein schon der Titel suggerierte mir zunächst, dass es sich um eine Liebesgeschichte handeln muss. Die Handlung musste wohl irgendwo zwischen Teenie-Liebe und Hoffnungslosigkeit der Jugend liegen. Klischees halt.

Schließlich raffte ich mich dazu auf, zumindest die ersten paar Seiten zu lesen und sofort war ich verzaubert. Bereits auf den ersten Seiten wird man in die Geschichte hineingeworfen. Das Mädchen Zoe entpuppte sich von Anfang an als ein tief verstörtes junges Mädchen, die in ihrer Vergangenheit große Fehler gemacht hat, die sie zutiefst bereut, was besonders in der ersten Hälfte durch eine große Distanz zu jeglicher Art von Emotionen deutlich wird. Gleichzeitig ist sie dabei einen Platz in der Welt zu suchen, was ihr vor allem durch ihre Mutter erschwert wird, für die nur die Begabung ihrer Tochter zu zählen scheint.

Besonders gut gefallen hat mir zudem, dass sich die Sichtweise, aus der die Handlung erzählt wird, von Kapitel zu Kapitel ändert. So bekommt man einen Einblick in die Gedanken-und Gefühlswelten aller handelnden Personen, der einen immer wieder in den Wusch treibt, in die Handlung einzugreifen.

Bei allen Protagonisten tut sich immer wieder ein Zwiespalt zwischen Hoffnung, Trauer, Angst und Wut auf, die einen Leser noch stärker mitfühlen lassen. Ebenso bekommt man ständig das Gefühl vermittelt, dass man scheinbar weiß, wie die Geschichte ausgehen wird und im gleichen Moment dann doch wieder enttäuscht wird und vollkommen ahnungslos ist.

Bis zum Ende, das dann aber leider doch nur teilweise überraschend kommt. Denn bei genauem Lesen kann man ab einem bestimmten Punkt doch etwas erahnen, wie es ausgehen wird.

Ein anderer starker Kritikpunkt, den man diesem Buch entgegen bringen kann, ist leider, dass es meiner Meinung nach kein klassischer Thriller ist, als der er ausgezeichnet wird. In diesem Roman steht weniger die Spannung im Vordergrund, sondern vielmehr die Thematik um Vertrauen, Gerechtigkeit und der Umgang mit der Vergangenheit.

Insgesamt möchte ich dieses Buch doch jedem ans Herz legen, der gerne etwas mit Emotionen und schwierige Lebensgeschichten liest. Denn, wenn man hier nicht mit der Erwartung an einen total erschreckenden, spannenden Thriller nach diesem Roman greift, bleibt auch nach dem Zuschlagen der 453zigsten Seite ein Teil der Handlung in einem.

Dies ist soviel mehr, als nur eine Liebesgeschichte von Teenagern oder die Probleme eines hochbegabten Mädchens, die es nicht schafft, sich optimal in eine Gesellschaft zu integrieren.