Eine chaotische Weihnachtsprobe – GAG Weihnachtsgeschichte 2016

Von Cecily Bock und Fine Piezunka – Weihnachten ist jetzt einen Monat her, doch die Redaktion hat nochmal in den Archiven gegraben und die Lehrergeschichte zur Bescherung 2016 hervorgeholt.

An einem ruhigen Winterabend fing es über Oldenburg an zu schneien. Kein Licht brannte mehr, nur noch in einer Schule nahe des Wassers, schien etwas Licht durch die Vorhänge des Forums. Drinnen klopfte gerade eine blonde sportliche Frau an der Seite eines bärtigen Franzosen an die Tür eines Wirtshauses. Ein schwarz gekleideter Mann öffnete und als das Paar nach einem Schlafplatz fragte, flüsterte er: „Für euch habe ich nur noch einen Platz im Stall.“ Doch als der Franzose fragen wollte wo sich dieser Stall befand, ertönte ein leises „Puff“ und der schwarz gekleidete Mann war verschwunden.

Cut! Der Wirt kann doch nicht einfach verschwinden! Leute morgen ist Weihnachten! Wie sollen wir bis dahin das Stück fertig bekommen?“ Die sportliche Blondine ließ einen genervten Seufzer hören. „Wieso müssen denn gerade Wir eine Aufführung geben? Lassen wir das doch die Schüler machen!“ Der Franzose nickte beipflichtend.

In Ermessen meinerseits unter Berufung auf den Paragraphen…“, ehe der Regisseur ausreden konnte, meldete sich ein weißhaariger Mann mit einem Stock in der Hand zu Wort: „Ach was, die haben es doch die letzten Jahre auch nie hinbekommen!“

Über den Köpfen der Schauspieler meldete sich eine weitere Stimme zu Wort: „Hör doch mal auf den Schülern immer so wenig zuzutrauen!“ Alle Blicke wanderten nach oben. Über ihnen hing an einem Seil eine Frau, mit Locken und Flügeln auf dem Rücken. Sie hatte die Arme verschränkt. Bevor die Diskussion weitergehen konnte, hob der Franzose eine Hand: „Hat eigentlich jemand die Plastikschafe gesehen?“ Die einzelnen Personen blickten sich um. Tatsächlich waren die Dekoschafe verschollen. „Auah!“, ertönte es auf einmal. Hinter dem Vorhang stolperten zwei Gestalten hervor, die sich allen Anschein nach mit den armen Schäfchen prügelten. Der kleinere von ihnen, welcher ein Hilfiger-Shirt trug, landete auf dem Boden. Seine Haare regten sich dabei keinen Zentimeter. „Also jetzt reicht es mir! Kann jemand ihm erklären, dass man nicht mit der Deko spielt?!“

Ein blonder Musiker betrat die Bühne. „Sagt mal Leute… Findet ihr die Windel steht mir?“ Die Streithähne verfielen in Gelächter. Dabei fiel der  blondere der beiden mitten auf eines der Schafe. „Na toll“, rief eine kleine Frau mit einem Stern um den Kopf. „Jetzt zerstört ihr alles! Wir haben uns doch so viel Mühe damit gegeben.“ Ein weiterer Hirte meldete sich zu Wort. „Wie gut, dass kein Schüler uns sieht! Wir wären die Witzfigur der ganzen Schule. Nicht, dass das einige von uns jetzt schon sind…“ „Worauf willst du hinaus?“, fragte der König mit der perfekten Frisur schnippisch. Ein Stimmengewirr entstand. Nach einigen Minuten wurden sie von einem lauten Knall unterbrochen und der schwarz gekleidete Wirt tauchte auf der Empore mit drei Handys auf. „Unglaublich, dass um diese Uhrzeit immer noch Schüler herumlaufen!“ Nun meldete sich auch noch der dritte König zu Wort: „Strenggenommen haben wir ja keine Schulzeit mehr“, sagte er mit erhobenen Zeigefinger. Die anderen beiden Könige sahen ihn an und zogen jeweils eine Augenbraue hoch: „Ist das jetzt wichtig?“ Nun begannen die drei sich wieder zu streiten.

Die Stimmung schien nun deutlich getrübt zu sein. Der bärtige Franzose und die sportliche Blondine hatten sich bereits auf den Bühnenrand gesetzt und waren in ein angeregtes Gespräch vertieft. Jedoch hielten sie inne, als eine weitere Person auf die Bühne trat. Ein großer, sportlicher Mann mit Eselsohren auf dem Kopf und einem unglücklichem Gesichtsausdruck: „Also ich wollte ja mitmachen, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt… Habe ich überhaupt Text?“

Der Franzose prustete los. Es dauerte einen Moment bis er sich wieder halbwegs fangen konnte: ,,Ja hast du! IAH!“ Jetzt begann auch der Rest zu lachen. Der sportliche Esel ließ die Ohren hängen. „Was soll das! Wie seid ihr ausgerechnet auf mich gekommen?“ „Naja…“, versuchte der Franzose zu erklären. „Ach sei doch ruhig! Ich will es gar nicht hören!“, rief der Esel.

Die drei Könige stritten sich immer noch, der Esel war sauer, der blonde Musiker lästerte mit den Hirten über sein Kostüm und der Engel hatte sich in den Seilen verheddert . Es war ein riesiges Durcheinander und die Situation drohte zu eskalieren, als sich der Regisseur aus seinem Stuhl erhob und schrie: „Ruhe! Ich habe so ein Durcheinander noch nicht mal bei den Schülern gesehen! Das wird nie funktionieren!“ „Hör doch mal auf uns so wenig zuzutrauen!“, sagte der Engel. „Geht das schon wieder los…“, stöhnte der kleinste der drei Könige.

Der Engel versuchte sich zu befreien, während sie sich mit dem Regisseur anlegte.

Der bärtige Franzose sah auf seine Uhr, ehe er sich an die drei Könige wandte. „Wer hat Bock auf nen Drink? Ich geb einen aus“, sagte er während er seine Mütze abnahm. Sofort meldete sich der Esel und der König mit der perfekten Frisur und ehe die sportliche Blondine sich umdrehen konnte stand sie alleine da, Eselsohren, Krone und Mütze in den Armen. Nun herrschte Stille im Raum. „Also im nächsten Jahr machen das wieder die Schüler“, sagte sie genervt und ging von der Bühne.

(Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag erschien das erste Mal in der Graf-Fiti Weihnachtsausgabe 2016)