Blade Runner (1982) – Kritik

Auf Messers Schneide:

Von Mailin Herbrechtsmeier – Am 5. Oktober startete Blade Runner 2049 in den deutschen Kinos und bietet dem großartigen Blade Runner von 1982 eine Fortsetzung. Deswegen ist es jetzt an der Zeit für ein 80s Revival, um damit einen genauen Blick auf den Kultfilm mit Harrison Ford zu werfen. Blade Runner spielt in der nahen Zukunft, in der die Tyrell Cooperation Replikanten produziert, welche mit sklavenhafter Arbeit ferne Planeten für die Menschen kolonialisieren. Der Film erzählt nun die Geschichte von Rick Deckard, einem sogenannten Blade Runner, der den Auftrag erhält, sechs Replikanten, denen die Flucht auf die Erde gelungen ist, aufzuspüren und auszulöschen.

Filmplakat von ,,Blade Runner” (1982)

Die Handlung findet im futuristischen Los Angeles im Jahre 2019 statt und genau dieses Setting ist eine der Stärken des Films. Große, lange Aufnahmen zeigen die Häuserschluchten hinter Regen und Nebel. Im Kontrast dazu stehen Neonlichter und die allgegenwärtige Werbung, die Hoffnung auf ein besseres Leben in einer Kolonie säht. Die Erde hingegen stellt eine Dystopie dar, die die Kranken, die Verbrecher, den Abschaum mit Polizisten und Industriemagnaten konfrontiert. Die Straßen, Restaurants und Einrichtungen sind überfüllt und multikulturell.
Es überzeugt die Detailverliebtheit der Macher, die die vergangene Architektur mit futuristischen Elementen verknüpft, die verschiedenen Kulturkreise mischt und so die Stadt zum Leben erweckt. Auch der düstere Soundtrack schafft den Spagat zwischen klassischen Instrumenten und elektronischen Synthesizerklängen. Zusammengefasst zaubert der Film ein paranoides Cyberpunkwimmelbild auf den heimischen Bildschirm, das ihn bereits aus ästhetischen Gründen sehenswert macht.

“Zeit zu sterben” – Replikant Roy Batty

Nicht nur der Antiheld Rick Deckard, sondern auch die spezielle Rolle der Replikanten bricht das klassische „Gut gegen Böse Szenario“. Die Replikanten sehen aus wie gewöhnliche Menschen, sind jedoch mit besseren körperlichen sowie geistigen Fähigkeiten ausgestattet. Mit der Zeit entwickeln sie zudem eigene Gefühle und Ziele, weswegen ihre Lebenszeit auf vier Jahre begrenzt wurde. Auch die Tyrell Cooperation wirbt mit dem Slogan „More Human than Human“, sodass der Film ethische Fragen aufwirft, welche auch in aktuellen Diskussionen von Relevanz sind. Darf der Mensch zum Beispiel durch das Klonen in die Natur eingreifen? Ab wann ist ein künstliches, jedoch fühlendes Leben schützenswert? Was macht einen Menschen eigentlich menschlich? Schaut man den Film mit diesen Fragen im Hinterkopf, verschwimmen die Grenzen zwischen Held und Schurke. Der Zuschauer fragt sich, wieso der Blade Runner nun besser sei, als der Replikant und ob das Streben des Replikant nach dem Leben nicht natürlich, nicht menschlich sei.
Abschließend empfehle ich also jedem, der Gefallen an dystopischen beziehungsweise Science Fiction Filmen findet, einen Blick auf Blade Runner von 1982 zu werfen. Über den zweiten Teil, der Anfang Oktober erschien, sagen bereits viele Kritiker, dass es sich um eine würdige Fortsetzung handelt.